Im Glauben wachsen

Zufrieden sein: „sich mit dem Gegebenen, den gegebenen Umständen, Verhältnissen in Einklang befindend und daher innerlich ausgeglichen und keine Veränderung der Umstände wünschend“ so definiert es der Duden. Klingt das gut, oder klingt das gut?

Sich zurücklehnen, tief durchatmen und die Augen schliessen. Für einen kurzen Augenblick in sich Ruhen. Alles einfach so akzeptieren, in der Gewissheit, dass es sich zum Guten wendet.

Habt ihr einen Ruhepol, der euch dieses Kräftesammeln ermöglicht? Geht es euch gut mit all den Anforderungen, denen wir (gefühlt) täglich ausgesetzt sind?

So aus dem Bauch heraus geht es mir inzwischen durchaus gut. Hier und da gibt es sicherlich einige Dinge, die ich ändern würde, aber ich nehme sie auch gerne so hin. Wobei ich jetzt nur von meiner persönlichen Situation spreche, nicht von dem was sich in der Weltgeschichte abspielt. Aber das habe ich beispielsweise hier schon kurz thematisiert. Und wie sagt man immer so schön: Erstmal vor der eigenen Tür kehren, oder so ähnlich.

Vor ein paar Monaten war ich von innerer Zufriedenheit weit entfernt. Uns trennten Welten. Mindestens. Ich hatte an mir ständig etwas auszusetzen (zu krank, zu ungeduldig, zu ängstlich, zu…), an meiner Familie, der Wohnsituation, einfach an allem. Huch? Was hat sich geändert?

Inzwischen wachse ich täglich an und in meinem Glauben. Ich lassen mich jeden Tag aufs Neue leiten und übergebe Gott meine Sorgen, Nöte und Zweifel. Während er sich jetzt um alles kümmert, kämpfe ich um das nötige Vertrauen, erobere meine Zuversicht zurück, übe mich in Dankbarkeit und lerne stetig hinzu. Ich stehe also in meiner eigenen Rangfolge recht weit hinten, kann mich aber von den vorderen Plätzen, meinem Ego, noch nicht zu 100% trennen. Aber ich arbeite daran. Den Rest meines Lebens vermutlich. 😉

Es gibt Dinge, die laufen im Leben einfach so mit. Es ist nichts Halbes und nichts Ganzes und somit auch kein Aufwand. So wie es bei eingen mit dem Glauben ist. Viele von uns glauben so ein bisschen. Ein bisschen mehr, wenn man sich in einer scheinbar ausweglosen Situation befindet, ein bisschen weniger, wenn dann wieder alles rund läuft.

Ich wollte mehr als nur ein bisschen Glauben und will dieses Mehr nun auch nicht mehr missen.

Damit ich dieses Mehr, diese Sicherheit getragen zu werden, überhaupt erfahre, muss ich deutlich dankbarer und fokussierter in den Tag starten als bisher.

Ich stehe recht früh auf, lange vor dem Rest der Familie, wanke zur Kaffeemaschine, nehme den Umweg übers Bad um dann letztendlich mit meiner Bibel und meinem Schreibblock auf dem Sofa zu landen. Der erste, dem ich einen guten Morgen wünsche, ist Gott. Also der, der mich die Nacht über behütet hat und mir einen neuen Tag schenkt. Der, der mich mit dem versorgt, was ich tatsächlich brauche. Wenn ich ihm für all das was mich (er)freut gedankt habe und ihm von meinen Sorgen erzählt habe, lese ich in der Bibel.

Du liest die Bibel? So richtig? Von Anfang bis Ende?

Das werde ich immer wieder gefragt. Und wenn ich das so vorweg nehmen darf, es ist das schönste und bereicherndste Buch, was es gibt. Wenn ich einen Roman lese, lese ich Satz für Satz, Seite für Seite. Gewöhnlich von Seite 1 aufsteigend bis Ende. Meine Bibel lese ich zwar auch Buch für Buch, aber eben nicht von Seite 1 angefangen. Nicht von Genesis bis zur Offenbarung. Ich lese die Bücher auch nicht immer vom ersten Vers bis zum letzten, sondern so wie es mein Gemütszustand erfordert. Wenn ich meinen Glauben hinterfrage, mit Ungerechtigkeiten zu kämpfen habe, findet ihr mich bei den Römern. Fühle ich mich persönlich angegriffen, ungerecht behandelt oder bin mal wieder zu ungeduldig, dann ist Hiob meine erste Wahl. Mache ich mir um etwas oder jemanden große Sorgen und habe das Gefühl, dass meine Gebete nich gehört werden, findet ihr mich bei den Ephesern.

Es gibt also für jeden Gemütszustand das richtige Buch. Hier lese ich mal einen Vers, mal mehrere. Solange bis mir etwas auffält, mir ein Satz, ein Wort ins Auge springt. Diesen schreibe ich heraus uns notiere alles, was mir dazu einfällt. Ich schlage verschiedene Wörter nach, schaue im Lexikon oder lese parallel dazu einen Kommentar. Anschließend schreibe ich die für mich wichtigsten Tagesaufgaben hinzu und bete erneut. Ich bitte Gott, mir zu helfen den Fokus nicht zu verlieren und frage ihn, ob das so in Ordnung ist. Ich bitte IHN um die richtige Perspektive und schweige. Was jetzt nach einem verplanten Vormittag klingt, dauert gut und gerne eine Stunde. Dann starte ich mit einem guten Gefühl in den Tag, erledige, was zu erledigen ist und versuche meine Standleitung nach oben aufrechtzuhalten. Das funktioniert leider nicht immer so gut wie es sollte. Denn kaum gerate ich in Zeitdruck, oder was auch immer, ist die Leitung unterbrochen. Spätestens wenn es dann mal eng wird, schicke ich einen kritischen Blick „nach oben“ und fühle mich ertappt.

Dieses  sich Ertappt fühlen ist für mich ein sicheres Signal, dass ich im Laufe des Tages falsch abgebogen bin. Ich ärgere mich über die viele Wäsche, das permanente Chaos, den Dreck und verliere die Geduld. Dabei sollte ich mich gesegnet fühlen. Wäsche, Dreck und Chaos zeigen mir, dass ich nicht alleine bin. Ich habe Familie. Ich erfahre Liebe und kann Liebe zurückgeben. Ich darf mich um jemanden kümmern. Gott hat mir diese Aufgabe übertragen. Gott liebt mich und ich darf diese Liebe weitergeben.

Ja, genau das ist so wichtig. Gott liebt mich. So wie ich bin. Chaotisch, ungeduldig und auch mal laut. Verängstigt, hektisch und mürrisch. Er liebt mich wie ich bin und ist immer da. Er zeigt mir den Weg, er leitet mich, er weiß, was er mit mir vorhat. Die einzige Voraussetzung? Meine Standleitung zu ihm, seinem Sohn und dem heiligen Geist. Meine Bereitschaft alles mit Ihm zu besprechen und in seinem Sinn zu handeln. Und das ist die größte Herausforderung. Aber auch genau die, die mich so viele Dinge ganz anders betrachten lässt.

Ohne Gott wäre ich nicht hier. Es gäbe diese Welt schlicht nicht. Ich darf hier eine gewisse Zeit verbringen, doch ich habe mich an Regeln zu halten. Ich bin Gast, nicht Hausherr. Ich werde geliebt und möchte diese Liebe nicht enttäuschen und doch tue ich das. Jedesmal wenn ich mich an erster Stelle positioniere, wenn ich andere beurteile, wenn ich mich ärgere, weil… Diese Liste ließe sich unendlich fortführen. Doch spätestens dann, wenn ich eben nicht mehr mit den Gegebenheiten in Einklang bin weiß ich, das ich auf dem falschen Weg bin.

Mit meinem Glauben kam auch die Zufriedenheit zurück. Dieses in mir Ruhen, dieses innere Lächeln und der Wunsch, es meinem Gastgeber rechtzumachen.

Danke, Gott. <3

Und wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm.

1.Joh 4,16

Und warum erzähle ich euch das alles?

Ich weiß nicht, ob ihr das irgendwann genau so erfahren habt, oder ob ihr einen anderen Pol habt, aus dem ihr Kraft schöpfen könnt. Aber ich wünsche euch, dass ihr irgendwann die Perspektive auf euer eigenes Leben wechseln könnt, um die Dinge anders zu erfahren. Ich wünsche euch, dass ihr etwas findet, was euch Kraft gibt und Zuversicht schenkt und euch die Angst vor den Dingen nimmt, die wir nicht ändern können. Ich wünsche euch Liebe. Jede Menge Liebe. Von Herzen.

2 Kommentare

  1. Liebe Nina,

    viele Menschen heute sind auf der Suche. Meditation, Yoga, gratitude journal, happiness challenge… nicht zuletzt die guten Vorsätze für das neue Jahr.
    All das steht für eine Unzufriedenheit, eine Leere, irgendetwas fehlt zum Glück, Geld und Konsum helfen nicht, die Lücke zu füllen. Wir organisieren unseren Alltag, schreiben Bullett Journals voll mit to do’s and wants… Es werden Partner ausgewechselt, neue Freunde gesucht, Arbeitsplätze erkämpft und doch stellt sich Glück und Zufriedenheit nicht automatisch ein.

    Seit ich mich wieder bewusst mit meinem
    Glauben beschäftige, mich nicht damit verstecke und darüber rede, hat sich mein Blick auf all diese Dinge verschoben. Ich mache Yoga für die Gesundheit und innere Ruhe, aus Dankbarkeit für meinen Körper, nicht zur Optimierung meiner Figur. Ich nehme Wetter und Natur bewusst war, ich versuche wie du, verbunden zu bleiben, kleine Wunder und Geschenke zu erkennen, Energie zu spüren. Ich stelle mir einen roten Luftballon vor: wenn er sich zu sehr entfernt, versuche ich ihn wieder einzuholen!
    Mit einem leisen Gebet, einem Seufzer, einem ärgerlichen Aufstampfen, einem bewusst machen, mit einem Lächeln in den Himmel… ganz nach Gefühl!

    • Der richtige Blick aus der richtigen Perspektive und alles rückt ins rechte Licht, langsam und stetig <3

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