Alles hat seine Zeit

Geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit; pflanzen hat seine Zeit, ausreißen, was gepflanzt ist, hat seine Zeit; töten hat seine Zeit, heilen hat seine Zeit; abbrechen hat seine Zeit, bauen hat seine Zeit; weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; klagen hat seine Zeit, tanzen hat seine Zeit; Steine wegwerfen hat seine Zeit, Steine sammeln hat seine Zeit; herzen hat seine Zeit, aufhören zu herzen hat seine Zeit; suchen hat seine Zeit, verlieren hat seine Zeit; behalten hat seine Zeit, wegwerfen hat seine Zeit; zerreißen hat seine Zeit, zunähen hat seine Zeit; schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.
(Pred3, 2-8)

Aber erkennen wir überhaupt noch, wann die Zeit für etwas gekommen ist? Oder sind wir so sehr mit Optimieren und Weiterentwickeln beschäftigt, dass wir versuchen solche Gesetzesmäßigkeiten wie eben die Zeit zu ignorieren?

Für Trump wird es heute Zeit sich vereidigen zu lassen. Für die AfD ist es Zeit auf Wählerfang zu gehen. Für Großbritannien ist es Zeit den Brexit zu besiegeln und für uns? Für uns wird es Zeit endlich aufzuwachen. Für uns wird es Zeit, den Tellerrand zu suchen, darüber hinauszuschauen und die eigene Filterblase platzen zu lassen.

Geht da raus. Zeigt den Leuten um euch herum, dass wir füreinander da sind. Haltet dem Nächsten die Türe auf, lächelt einander an und seid dankbar für das was ihr habt.

Während die Einen ums nackte Überleben kämpfen, planen wir unseren nächsten Urlaub. Während immer mehr Menschen keine Ahnung haben, wovon sie ihr nächstes Essen bezahlen sollen, konsumieren wir, um unser „Awwww <3“ Erlebnis auf Instagram und mit der ganzen Welt zu teilen. Während wir auf Fleisch verzichten um die Tiere zu schützen, schmeißen wir sämtliches Plastik ins Meer, weil wir uns mit der in Folie verpackten, dafür aber veganen Schokolade, für die anstrengende Woche belohnen müssen?

Jetzt ist die Zeit um all die gut gemeinten Dinge nochmal zu überdenken und zwar bis zum Ende. Ja, Verzicht tut weh. Sehr sogar. Aber ist es nicht unser beständiger Drang etwas zu konsumieren um uns gut zu fühlen? Können wir uns gut fühlen, wenn so viele Menschen leiden? Oder anders gefragt, können wir unseren Egoismus weiter ausleben und die Dinge trotzdem ändern?

Jagen wir nicht ständig einem „Awww <3“ Gefühl nach? Ist es nicht das, was wir insgeheim immer suchen? Dieses Awww, welches uns Sicherheit vorgaukelt? Solange wir uns dieses Gefühl noch kaufen können, kann es nicht so schlimm sein? Ist das der Sinn unseres Leben? Lassen wir uns für dieses Awww von Politik und Industrie täglich an der Nase herumführen?

Der dankbare Blick eines Kindes, einer Mutter oder eines und wildfremden Menschen, dem wir einfach so, aus heiterem Himmel etwas Gutes tun, löst auch ein Awww aus. Eines, das uns viel länger glücklich macht und eines das weitergegeben wird. Denn glückliche Menschen, Menschen, die Nächstenliebe erfahren, das sind die, die keinen Hass säen.

Wir können so viele Dinge ändern. Jetzt. In dieser Minute. Die Zeit dafür ist jetzt.

 

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