Ein Jahr, ein Wort

Silvester ist vorbei. Viele von uns haben sich neue Ziele gesetzt, Pläne geschmiedet und sich geschworen, dass dieses Jahr irgendwie alles anders wird. Noch mehr Projekte, noch mehr Bücher, mehr Selbstoptimierung, mehr Disziplin, mehr Zeit für die Familie, Freunde, und so weiter, und so fort. Ziele die wir alle kennen, Ziele die wir vermutlich alle schon gefasst haben um sie Mitte Januar beherzt über den Haufen zu werfen.

Ich bin da keine Ausnahme und ich muss gestehen, ich liebe dieses Ziele setzen sehr. Aber warum soll ich so viel Energie in irgendwelche Pläne stecken, wenn hinterher alles anders läuft? Also habe ich mir für dieses Jahr ein Motto überlegt. Ein Motto, das mich in allen Lebensbereichen begleitet und mich bereichert. Ein Motto, das nicht nur mir Freude bereitet, sondern auch meiner Familie. Eines das meine Einstellung zum Leben verändert.

Eucharisteo fasst alles das ganz wunderbar zusammen. Viele kennen den Begriff sicherlich aus dem Gottesdient, die Eucharistiefeier. Bei den Katholiken ist dies der zweite Teil des Gottesdienst, bei den Protestanten das Abendmahl. Wir bekennen sein Opfer. Wir empfangen seine Gnade.

Ob ich mich opfern will?

Nein, so möchte ich das nicht im Raum stehen lassen. Ausschlaggebend für dieses Motto ist das Buch Tausend Geschenke von Ann Voskamp. Es geht darum, die Fülle des Lebens zu erkennen, dankbar zu sein und wirkliche Freude zu empfinden. In einem von Konsum und Medien geprägten Alltag, ist es für mich eine Herausforderung geworden die kleinen Dinge wahrzunehmen. Wenn ich samstags den Gottesdienst besuche, mit meiner Familie spazierengehe oder abends meinen Tag reflektiere, kann ich bewusst nach Momenten suchen, die mich mit Dankbarkeit erfüllen. Aber das hilft mir im Alltag nicht. Ich will mehr davon. Ich möchte mein Herz den ganzen Tag lachen hören. Ich will Freude empfinden und Ruhe ausstrahlen, wenn alles um mich herum in Stress ausartet. Ich möchte auch in den Momenten dankbar sein, die so leichthin als Katastrophe bezeichnet werden und die uns so oft den Tag verderben.

An unserer Kirchenuhr hier im Dorf, stehen statt Ziffern Buchstaben:

Zeit ist Gnade.

Ob ich nun gläubig bin oder nicht, ändert daran nichts. Wenn unsere Zeit abgelaufen ist, ist sie abgelaufen. Ob ich mich nun über den Paketboten ärgere, der mal wieder viel zu schnell mit meinem Päckchen das Weite gesucht hat, mich ärgere das es Gurken nun auch noch extra „Für Mädels“ gibt, oder die Bahn schon wieder Verspätung hat. All das kann ich nicht ändern und es ist auch sicherlich kein persönlicher Angriff gegen mich.

Wenn ich aufhöre die Dinge persönlich zu nehmen und beschließe mich auf die Sachen zu fokussieren, die es Wert sind, ist nicht nur mein Tag angenehmer, sondern auch der meiner Mitmenschen. Und je mehr ich mich ärgere, desto mehr verpasse ich von den schönen Seiten des Lebens:

Wir sind auf dieser Welt um Freude zu empfinden und um gegenseitig auf uns aufzupassen. Wir sind nicht hier um uns täglich die Köpfe einzuschlagen oder um uns gegenseitig vorzuhalten, was denn nun richtig oder falsch ist.

Wie kurz ist mein Leben! Schon fast vergangen! Lass mich jetzt in Frieden, damit ich noch ein wenig Freude habe! (Hiob10,20 HFA)

Ich möchte wieder mehr Freude an meinem Leben haben und andere damit anstecken. Ich möchte für meine Mitmenschen sorgen, das Schöne im Alltag entdecken und andere damit anstecken. Ich möchte helfen, danken und die Gnade schätzen, die wir jeden Tag empfangen: ZEIT.

Lange Rede, kurzer Sinn – es wird irgendwie himmlisch

Als ich mir im Mai des letzten Jahres meine Einweisung ins Krankenhaus abgeholt habe, stand mein Leben schon einige Monate Kopf. Meine Gesundheit ließ sich nur noch sporadisch blicken, mein Alltag bestand hauptsächlich im Überleben von Angst- und Panikattacken. Angst, vor dem Alltäglichen. Angst, vor jeder verdammten Nacht. Jeder Tag eine Qual. Kommunikation mit meinen Mitmenschen? Nein. Jeder wollte wissen, wie es mir geht, ob ich Schmerzen habe. Alles war auf meine Schmerzen fixiert, jedes Gespräch, jede Handlung. Niemand hat mir mehr einfach mal irgendwas erzählt. Irgendwas.

Und doch, alles was ich wollte waren Banalitäten. Ich wollte wissen, wer seinen Einkaufszettel verloren hat, wer ein Knöllchen kassiert hat oder ob in China ein Sack Reis umgefallen ist. Doch statt Alltagsgeschichten bekam ich nur fragende Blicke. Die Mauer um mich herum wurde immer höher, der Graben dahinter immer tiefer. Ich war allein mit dieser schwarzen Wolke, die sich aus all den Diagnosen der Ärzte gebildet hatte. Bis zu dem Tag meiner OP.

Nachdem ich meine Krankenhaustasche gepackt hatte, schnappte ich mir noch ein paar Bücher (wie sollte es auch anders sein) und meine Bibel. Meine Bibel, bei deren Anblick ich so häufig ein blödes Bauchgefühl bekam. Immer begleitet von einem schlechten Gewissen. Seit Jahren.

Als ich noch ein kleines Kind war, las mir meine Oma bei jeder sich bietenden Gelegenheit aus der Bibel vor. Sie erzählte mir vom ewigen Paradies, von Adam und Eva und vom Niedergang, der Krieg von Harmagedon. Statt gemeinsam mit meinen Freundinnen die heilige Kommunion zu empfangen, setzte ich mich mit der Drangsal auseinander und besuchte, wenn auch recht unregelmäßig, den Königreichsaal.

Willkommen bei den Zeugen Jehovas.

Ich hatte von Kindertagen an ein, nennen wir es gespaltenes Verhältnis zu Gott, der Kirche und alles was damit einhergeht. Meine Mutter Protestantin, mein Vater Zeuge Jehovas und ich irgendwo mittendrin. Abgesehen von einigen Grundregeln, haben mir meine Eltern nie Vorschriften gemacht. Ich nahm in der Schule am evangelischen Religionsunterricht teil, hörte mir in meiner Freizeit ab und an Vorträge der Zeugen Jehovas an und schielte immer heimlich zu meinen katholischen Freunden. Dort gab es klare Regeln, es wurde gebetet, in die Kirche gegangen und das alles ganz offiziell. Geburtstage wurden mit den Großeltern gefeiert und Weihnachten war das Fest schlechthin. Ich durfte zwar Geburtstag feiern (Danke Mama) und einen Weihnachtsbaum gab es auch (nochmal Danke Mama), doch das war alles irgendwie nur geduldet.

Und heute? Heute fühle ich mich häufig in meine Kindheit zurückversetzt. Wer in die Kirche geht wird belächelt, wer betet oder gar regelmäßig in der Bibel liest, wird oftmals kritisch beäugt. Und das darf einfach nicht sein.

Es darf nicht sein, dass aufgrund der sogenannten Glaubenskriege das Christentum in Mitleidenschaft gezogen wird.

Es darf nicht sein, dass ich mich als Christin für meinen Glauben rechtfertigen muss und meinem Gegenüber erklären muss, dass Gott niemals von mir verlangen würde, meinen Nächsten in die Luft zu jagen.

Es darf nicht sein, dass sämtliche Glaubensrichtungen verteufelt werden und jeder der mit Herz und Seele seinen Glauben vertritt, per se ein Terrorist ist.

 

Wer mir auf Instagram folgt, wird bemerkt haben, dass es dort von mir sehr regelmäßig Fotos von meiner morgendlichen Bibellesestunde gibt. Und genau das, wird es hier von nun an auch geben. Ich werde euch, die ihr Lust habt, mitnehmen auf meine Reise durch die Bibel, mich gemeinsam mit euch auf Spurensuche begeben und vermutlich auch gemeinsam hadern. Denn nicht immer passen der eigene und der „himmlische“ Wunsch kompromisslos zusammen und nicht immer ist der Glaube so fest in mir verankert, dass ich blind vertraue. Doch daran kann man arbeiten.

Wer sich so überhaupt nicht für das Christentum interessiert, der mag hier also von nun an falsch sein. Ich möchte niemanden bekehren und ich werde mich auch nicht – in welche Richtung auch immer – bekehren lassen. Doch ich heiße jeden herzlich willkommen. Ich gebe euch gerne einen Einblick und zeige euch, dass das Christentum völlig ungefährlich ist.

Obwohl ich mit meinem Glauben jahrelang gehadert habe, ich so oft gezweifelt habe, hat Gott mich nie im Stich gelassen. Ein großer Teil meiner Familie hat mich nach meiner Taufe im Alter von 14 Jahren gemieden und mir diesen Schritt wohl nie verziehen. Aber ich habe im letzten Jahr den Weg zurückgefunden, unterwegs meinen inneren Frieden und meinen Optimismus wieder eingesammelt und auch mein Humor hat sich wieder bei mir eingenistet. Und dafür bin ich unendlich dankbar.

Do not waste time bothering whether you „love“ your neighbor; act as if you did. As soon as we do this we find one of the great secrets. When you are behaving as if you loved someone, you will presently come to love him.

        C.S. Lewis, Mere Christianity

 

 

 

Gedankenlawine am Sonntag

Kabul, November 1980. Ein 11jähriger Junge ist auf dem Weg zum Marktplatz. In den Händen trägt er eine Box, gefüllt mit Zigaretten, die er auf dem Markt verkaufen muss um zu überleben. Kurz darauf hält vor ihm ein Transporter. Ein russischer Soldat steigt aus und reißt dem Jungen die Zigaretten aus der Hand. Der Junge bittet und bettelt, in der Hoffnung noch eine Handvoll Zigaretten retten zu können. Sein Überleben zu retten. Doch statt der Zigaretten bekommt der Junge das Gewehr an den Kopf gehalten und ohne mit der Wimper zu zucken, drückt der Soldat ab. Einfach so. Für ein paar Zigaretten.

Ist ein anderes Leben nichts mehr wert, wenn es um die eigenen Bedürfnisse geht?

September 2015. Ein dreijähriger Junge am türkischen Strand. Tot. Dem Krieg wollte er entkommen. An dieses Schicksal erinnern wir uns vermutlich alle.

Als ich gestern im Gottesdienst saß und unser Pfarrer die Predigt mit diesen beiden Geschichten einleitete, stockte uns allen der Atem. Die Traurigkeit, die Hilflosigkeit, diese Ohnmacht der Angst war sofort zu spüren und sie lässt mich wieder nicht zur Ruhe kommen.

Jeden Tag erreichen uns neue Schreckensmeldungen. Der Aufschrei ist mal mehr, mal weniger ausgeprägt. Die Welle der Anteilnahme flaut aber meist schnell wieder ab. Man kann sich den Schicksalen fremder Menschen schließlich nicht den ganzen Tag widmen, oder?

Da macht sich eine Traurigkeit in einem breit, die kaum noch auszuhalten ist. Man überlegt sich Aktionen, ruft zu mehr Engagement auf, kommentiert irgendwelche Beiträge im Netz, verbreitet, was einen wütend macht und doch so offensichtlich nicht in Ordnung ist. Sei es der Artikel, der von dem Überfall auf die Nachbarn von xy berichtet, oder der, in der die Arbeit einer Frau nicht angemessen gewürdigt wird oder sonst eine Ungerechtigkeit.

Den ganzen Tag, die ganze Woche, Monat für Monat teilen wir Schreckensnachrichten und geben den Negativmeldungen so viel Raum. Raum, der ihnen nur bedingt zusteht. Den ändern tun wir so nichts.

Über Menschen zu schimpfen, die offensichtlich alles verkehrt machen, hilft uns nicht und den toten Jungen nicht. Gibt den Flüchtlingen keine neue Heimat und macht den Obdachlosen auf der Friedhofsbank nicht satt.

Wir verurteilen, in dem wir Alles und Jeden über einen Kamm scheren. Wir sind so hilflos, das wir keine Kraft mehr haben, alles mit der nötigen Distanz zu betrachten. Es tut weh, es treibt uns die Tränen in die Augen und schnürt uns die Luft ab.

Aber müssen wir die Dinge einfach so hinnehmen? Können wir das Elend nicht bekämpfen, ohne so genau hinzusehen?

Nein, natürlich habe ich keine Lösung. Aber ich habe ein Verständnisproblem.

Seit Jahrzehnten beschäftigen sich Forscher, Ärzte, Mediziner mit Krebs. Es wird geforscht, Geld gesammelt, Stiftungen gegründet. Fremde Menschen erkranken, Bekannte erkranken, wir erkranken. Wir lesen Bücher, Zeitungsartikel, stellen unsere Ernährung um. Wir rennen zum Arzt, lassen keine Vorsorgeuntersuchung aus, werden eventuell panisch, wenn unser Körper nicht funktioniert wie er soll.

Wir beschäftigen uns hinreichend mit Dingen, die uns selber betreffen. Dinge, die uns bedrohen. Ob unsere Gesundheit, unsere Sicherheit, unser Wohlbefinden. Doch wenn es uns nicht direkt betrifft, urteilen wir häufig vorschnell. Ohne das nötige Grundwissen, ohne uns vorher eingehend mit der Materie zu beschäftigen. Wir holen die Keule raus. Da wird ganz offensichtlich jemandem Unrecht getan? An den Pranger stellen und drauf. Was auch sonst.

Aber ist das nicht genau das, was überall dort geschieht, wo die Kriege toben? Wo sich Menschen gegenseitig umbringen? Wobei man gar nicht so drastisch werden muss.

Du stehst im Supermarkt an der Kasse, hast einen anstrengenden Tag hinter dir und dann kommt da eine Oma, die sich einfach vordrängelt. Das erste was dir vermutlich in den Kopf schießt: „Oarrr, die hat doch den ganzen Tag Zeit. Kann die sich nicht hinten anstellen. ICH hab es eilig. MEINE Kinder, MEIN Mann, MEIN Hamster wartet. ICH hatte einen anstrengenden Tag.“

Fragt sich irgendjemand mal, wie es der älteren Frau geht, die sich da eventuell auch ganz ausversehen vorgedrängelt hat? Fragt sich überhaupt noch jemand, wie es dem anderen geht? Ist überhaupt noch jemand gewillt, mal zurückzustecken, damit es einem Fremden besser geht?

Nein, die meisten von uns sind es nicht. Wir jammern ständig herum, nichts kann man uns recht machen und es sind eh immer die anderen die Schuldigen.

 

Ich kann den Menschen erst dann erklären was Unrecht ist, wenn ich mit mit ihnen und ihren Nöten/Ängsten und Sorgen beschäftigt habe. Ich kann aber nicht nur erklären, schlau daherreden und den Finger heben. Ich muss es vorleben. Ich muss nach links und rechts schauen. Ich muss geduldiger werden, wenn ich es eilig habe. Die alte Dame kann nichts dafür, wenn ich in Zeitnot bin, und ich werde ihr verhalten nicht ändern, indem ich sie verbal angreife. Ich kann nur mich ändern. Für alle anderen kann ich nur beten und mit gutem Beispiel vorangehen. Ich kann aufklären, aber nicht mit der Keule. Ich kann helfen, aber nicht, indem ich die Bösen an den Pranger stelle.

Wir müssen wieder anfangen uns mit unseren Mitmenschen auseinanderzusetzen. Wenn wir das Böse, das Elend, die Not wirklich beenden wollen, dann machen wir es wie die Mediziner. Beschäftigen wir uns mit dem, was uns bedroht. Untersuchen wir, was uns da so schwer im Magen liegt und lernen wir das zu verstehen, was uns so fremd erscheint.

Denn wenn wir weiterhin so miteinander umgehen, wie wir es heute tun, werden die oben erwähnten Schreckensmeldungen nicht wieder weniger. Sie werden trauriger Alltag – bleiben.

 

 

Für mehr Gelassenheit

Überlaß es der Zeit

Erscheint dir etwas unerhört,
Bist du tiefsten Herzens empört,
Bäume nicht auf, versuchs nicht mit Streit,
Berühr es nicht, überlaß es der Zeit.
Am ersten Tage wirst du feige dich schelten,
Am zweiten läßt du dein Schweigen schon gelten,
Am dritten hast du’s überwunden;
Alles ist wichtig nur auf Stunden,
Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,
Zeit ist Balsam und Friedensstifter.

(Theodor Fontane)

Achtsam durch die Woche #1

achtsam_durch_die_woche

Für die meisten von uns beginnt morgen wieder der Alltag. Frühes Aufstehen, morgendliche Hektik, Haushalt, Job und Schule – alles möchte irgendwie unter einen Hut gebracht werden. Wohl dem, der gut organisiert ist, das Chaos liebt oder an dem die überfüllte ToDo-Liste einfach abprallt.

Ich gehöre momentan wohl in die Gruppe derjenigen, die recht gut auf sich aufpassen müssen. Die letzten Wochen waren geprägt von gesundheitlichen Problemen wie täglicher Übelkeit, Schwindel und Knochenschmerzen. Also habe ich den Schwerpunkt der Wochenplanung auf meine eigenen Bedürfnisse gelegt und natürlich auf die meiner Familie. Wenn Mann und Kind verhungern, ist mir damit auch nicht geholfen. 😉

Ich möchte also in der nächsten Woche

  • jeden Tag am #Yogacamp von Yoga with Adriene teilnehmen
  • jeden Morgen nach dem Aufstehen meine Morgenseiten schreiben
  • an drei Tagen je 20 Minuten Laufen gehen, so die Absprache mit meinem Arzt

Ausserdem haben wir einstimmig beschlossen, dass der nächste Familienurlaub nach Italien geht. Ich werde also nicht nur meine aktuelle Lektüre „Gebrauchsanweisung für Sardinien“ aus dem Piper Verlag weiterlesen, sondern mich auch den ersten Lektionen meines Sprachkurses widmen.

Urlaubsvorbereitung

Ich denke, dass ist ein wunderbarer Ausgleich zu Job, Haushalt und Co und ich bin gespannt, was ich davon problemlos und mit einem guten Gefühl integrieren kann. Zumindest ist die Vorfreude auf die Woche groß und ich werde berichten, wie es mir so ergangen ist.

Wie sieht es bei euch aus? Plant ihr eure Woche ein wenig im Voraus, oder lasst ihr alles entspannt auf euch zukommen? Plant ihr Zeit für euch ein, oder genießt ihr den Dauerstress?

Lasst es mich wissen, denn ich bin schrecklich neugierig und lerne immer gern dazu.

Ich wünsche euch noch einen entspannten Restsonntag und einen guten Start in die Woche.

Eure Nina

2016 – Eine Bestandsaufnahme

Happy New Year

Es gibt massenhaft andere Dinge, über die ich nachdenken muss… Probleme, die mich betreffen. Die ich sortieren muss. Mein Gehirn muss ein Rangierbahnhof werden.

So schreibt es Jean-Philippe Blondel in seinem Roman 6 Uhr 41 und bringt es auf den Punkt. Das letzte Jahr war hauptsächlich geprägt von Arbeit und Krankheit und zum Ende hin lief alles irgendwie aus dem Ruder. Ich war Zuschauer in meinem Leben. Ich konnte nicht mehr agieren, sondern nur noch reagieren. Ich konnte nichts mehr in die Bahnen lenken, die ich mir gewünscht habe, sondern nur noch die Notbremse ziehen. Das alles hätte ich viel früher erkennen können, doch wie so oft, siegte mein Dickschädel über meinen Verstand. Mein Herz wollte Tatsachen partout nicht akzeptieren, das Bauchgrummeln wurde ignoriert und nun, nun ist Zeit für eine Kehrtwende.

Scherben wollen zusammengefegt und Träume neu sortiert werden. Die schönen Seiten des Lebens verdienen wieder mehr Aufmerksamkeit, unabänderbare Dinge wollen akzeptiert werden. Es ist Zeit, dem Leben mit mehr Achtsamkeit zu begegnen, die Welt zu schätzen, wie sie ist und dort anzupacken, wo man etwas ändern kann. Doch dafür werde ich bei mir anfangen müssen.

Es gibt einfach zu viele Dinge, die ich im Trubel des Alltags nicht mehr zu schätzen weiß. Dankbarkeit wird mehr und mehr zum Fremdwort und die Gedanken im Jetzt festzuhalten um den Moment zu genießen – was für eine absurde Idee…

Ich weiß nicht, wie es euch damit geht, aber ich finde es erschreckend. Ich möchte raus aus diesem Hamsterrad. Ich möchte nicht mehr länger an der „höher-schneller-weiter-Jagd“ teilnehmen, die mich zu oft vergessen lässt, worauf es im Leben eigentlich ankommt.

Da ich aber selber dazu neige, mich schneller in das altbekannte Fahrwasser zu begeben, als es mir lieb ist, habe ich mir überlegt, eine neue Seite zu erstellen, die mich täglich an mein Vorhaben erinnert. Eine Seite, auf der ich teilen kann, was mich bewegt, worüber ich mich freue, was ich erlebt habe. Doch genauso gibt es Tage, an denen mich meine Autoimmunerkrankungen fest im Griff haben und auch darüber werde ich vermutlich schreiben. Denn nur wenn ich beide Seiten betrachte, akzeptiere und das Beste daraus mache, erst dann ist es mir möglich, den Zug des Lebens wieder auf das richtige Gleis zu bringen. Ich bin gespannt, wer mir wo begegnet und freue mich über jeden, der mich begleiten mag.

Ich wünsche euch für 2016 viele wunderbare Momente. Erlebnisse, die euch prägen, die euer Herz jubeln lassen und viel Verständnis für euch selbst. Denn die eigenen Schwächen zu akzeptieren ist oft eine große Herausforderung.

P.S. Wer sich nun fragt, was mit frauhauptsachebunt.de passiert, den kann ich nur um Geduld bitten. Irgendwann wird es auch dort sicherlich weitergehen.